Liberating Organism bei TIGER: Clemens Steiner (deutsch)
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Liberating Organism bei TIGER: Clemens Steiner (deutsch)


“Liberating Organism” – Da geht’s um die natürlichste,
aber auch höchste Form der Kooperation. Das Wort “Liberating”, da geht’s um Befreiung
und bei “Organismus” ist es für uns so, dass eine Organisation – wie TIGER mit 1.300 TIGERN
und TIGERINNEN – wie ein Organismus funktioniert. Das sind Organe, die intensiv mitsammen sprechen
und in Summe einen gesunden leistungsfähigen Organismus ergeben. Das “Liberating” heißt
für uns, dass wir all die Dinge, die Organisationen einengen und begrenzen, sukzessive wieder
abwerfen und in ein freies, gesundes und höchstleistungsfähiges kooperatives Miteinander kommen. Gute Beispiele
dazu sind Kinder oder auch freiwillige Organisationen, wie die Freiwilligen Feuerwehren. Wenn man
sich das Verhalten dieser Vorbilder ansieht, gibt es ganz flache bis gar keine Hierarchien.
Die Aufgabenverteilung und Verantwortungsübernahme funktioniert ganz natürlich. Wer was am besten
kann, übernimmt das. Alle haben Klarheit, wo es hingehen soll. Das heißt das gemeinsame
Ziel bei einer Freiwilligen Feuerwehr ist vollkommen klar und es ist vollkommene Transparenz
vorhanden. Es gibt keine abgekarteten Spiele, keine hidden agendas. Und all diese Parameter
zusammen führen zu einem befreiten Organismus, der gesundes Arbeiten mit Freude, Zielklarheit
und hoher Form von Kooperation ermöglicht. Die Herausforderung für ein normales Unternehmen
ist schon am Standort die einzelnen Bereiche – in anderen Firmen heißt es Abteilungen,
wir verwenden dieses Wort nicht mehr, weil es eben “abteilt” – aber einzelne Teams und
Bereiche in Kooperation zu bringen, ist schon schwierig. Für TIGER als multinational aufgestelltes
Unternehmen ist die Herausforderung noch einmal doppelt so groß, weil wir über drei Regionen
– Europa, Asien, Nordamerika – kooperieren wollen. Und jetzt kann man sich vorstellen:
unterschiedliche Zeitzonen, unterschiedliche Sprachen, keine persönliche Beziehung. Da
wird es viel schwieriger, einander anzurufen und zu sagen: “Du, ich hätte dieses und jenes
Problem. Ich glaube, du weißt dazu was, du kannst mir helfen.” Das heißt dieses Arbeiten
über die transnationalen Grenzen hinaus war von Anfang an eine Herausforderung für TIGER
und der größte Hebel, wie wir den Unterschied machen können und dazu beitragen können,
dass der Organismus leistungsfähiger und robuster wird. Das ist eine ganz gute Frage und bei dem “Why?”,
bei dem “Warum?”, beginnt ja die Sinnfrage hereinzukommen. Shakyamuni Buddha hat einen
wunderbaren Spruch geprägt, er hat gesagt: So wie das Meer nur einen Geschmack hat, nämlich
den des Salzes, hat Unabhängigkeit nur einen Geschmack, nämlich den der Freiheit. Und
das warum wir das ganze machen ist der Erhalt unserer Unabhängigkeit und damit der Erhalt
unserer Freiheit als Unternehmen. Wenn wir eine kleine Fühlübung machen und uns vorstellen,
wir schauen mal und beobachten, welches Gefühl taucht bei uns auf, wenn wir an Freiheit und
Unabhängigkeit denken? Das kann jeder für sich jetzt machen. Ganz generisch kann man
mal sagen, fühlt sich das gut an oder nicht gut an. Vielleicht gelingt’s Geübten da noch
ein präziseres Label draufzusetzen und zu sagen: “Da werde ich richtig groß, da macht
sichs frei.” Wenn wir jetzt eine andere Fühlübung noch anschließen und sagen: Wir schauen mal
welche Gefühle tauchen auf bei den Worten Unfreiheit und Abhängigkeit. Kann wieder
jeder für sich selber durchgehen. Ich nehme mal an, die Gefühle werden sehr unterschiedlich
sein. Wir haben für uns ganz klar festgestellt bei TIGER: Unsere Unabhängigkeit ermöglicht
uns schnelle Entscheidungen, ermöglicht agiles Verhalten, was in der heutigen Zeit besonders
wichtig ist. Das heißt das “Warum Liberating Organism?” ist begründet in dem Erhalt unserer
Unabhängigkeit, unserer Freiheit und damit den Garant zu schaffen, dass wir als Organisation,
als Organismus, wachsen, gut genährt werden und überleben. Das “Warum?” haben wir jetzt geklärt, das
“Wie?” ist der Liberating Organism. Das heißt wir sind klar commited unsere Unabhängigkeit
und Freiheit zu behalten und zu schützen. Das “Wie?” ist der Liberating Organism. Liberating
Organism heißt gesundes, natürliches Kooperieren auf höchster Ebene. Wir arbeiten hier mit
der Metapher des “Tiki-Taka Fußballspiels”, wo die höchste Form dieses blinde Verständnis
ist, wo ein Verteidiger den Stürmer gar nicht sieht, aber genau diesen Moment spürt, wann
der Ball abzuspielen ist und auch der andere TIGER vorne, der Stürmerkollege, sieht den
Verteidiger nicht, aber er spürt diesen perfekten Moment, wann er losläuft, um nicht ins Abseits
zu laufen und den Ball zu fangen. Das sind für uns sinnbildlich die höchsten Formen
von Kooperationen und wenn uns das zwischen den Bereichen und dann noch zwischen den drei
Regionen gelingt – dann sind wir schlichtweg unschlagbar. Es ist der Erfolg unvermeidbar. Vorweg möchte ich sagen, dass Liberating
Organism nicht heißt, dass wir an den derzeitigen Organisationsformen irgendetwas ändern. Das
heißt es braucht keiner Angst haben, dass sein Job eliminiert wird oder er irgendwo
am Schachbrett herumgeschoben wird. Liberating Organism im Sinne des Wortes heißt, es ist
auch freiwillig. Das heißt, das ist das erste Prinzip. Wenn ich dieses Prinzip jetzt noch
nicht verstehe, nicht voll mitgehen kann – ich werde nicht gezwungen, in diese freiere Form
der Zusammenarbeit unmittelbar von heute auf morgen hineinzugehen. Also dieses Prinzip
der Freiwilligkeit ist ganz essentiell. Ein weiteres Prinzip ist das Zusammenarbeiten
auf Augenhöhe. Wir haben das in unserem Core Value “Openness” schon definiert. Die Dinge
gehören auf den Tisch. Nur dann können wir sie adressieren. Und arbeiten auf Augenhöhe
heißt einfach: Nicht Dinge zurückhalten, weil man Angst hat vor irgendeinem Vorgesetzten,
vor Repressalien. Nicht die Dinge am Kaffeeautomaten zum fünften Mal in eine andere Richtung entwickeln.
Augenhöhe und Openness heißt: Put the fish on the Tisch. Nur dann haben wir eine Chance,
die stinkenden Teile vom Fisch herauszuschneiden. Er stinkt unterm Tisch gleich wie überm Tisch.
Aber nur wenn er drauf liegt, haben wir eine Möglichkeit, das zu adressieren. Ein weiteres
Grundprinzip ist die Transparenz. Alle TIGER müssen volle Klarheit haben: Wo wollen wir
hin? Wo ist unsere gegenwärtige Position? Und was sind die nächsten Schritte? Und es
muss vollkommen selbstverständlich sein, dass wenn einer unserer Teammitglieder über
diese nächsten Schritte, über das Ziel, über unsere aktuelle Position nicht vollständige
Klarheit hat, dass er die Hand hebt und sagt: Ich brauche hier bitte noch eine Erklärung.
Erst dann kann ich meine Energie vollkommen entfalten. Diese Dinge werden großteils im
sogenannten “Fair Process” abgedeckt. Das sind essentielle Grundprinzipien. Wo wir noch
ganz großes Augenmerk darauflegen, ist das Thema Training und Ausbildung. Und da spreche
ich jetzt nicht primär von methodischer Ausbildung, sondern von dem Umgang zwischen uns. Das ist
das was wir von anderen Unternehmen gelernt haben, was am meisten hilft, die Herausforderungen
des Alltags gut, kollegial und fair zu meistern. Und hier ist einiger Aufholbedarf noch da.
Es ist noch nicht so, dass alle 1.300 TIGER zum Beispiel mit dem Ende eines Gesprächs
leben können, wo wir nach dem Englischen “we agree to disagree” oder “Wir kommen überein,
dass wir nicht die gleiche Meinung haben”. Das ist für viele noch unvorstellbar, so
aus einem Meeting herauszugehen. Dialog beispielsweise heißt: Ich habe tiefstes Interesse für deine
Position und deine Sichtweise. Und der Unterschied zur Diskussion ist, dass bei einer Diskussion
mein einziges Ziel ist, dir meine Meinung die Kehle hinunterzustopfen. Und deshalb haben
wir ja dieses “Acht Schätze-Trainingsprogramm” aufgesetzt, wo du mit deinen Kollegen intensiv
all diese Prinzipien von Dialog, Kritikfähigkeit, Feedback geben unseren TIGERN näher bringen
wirst und das ist eigentlich dieses Kernwerkzeug, diese soziale Kompetenz, die unseren TIGERN
dann hilft, kollegial und kooperativ mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Das
ist unser TIGER-Weg in den Liberating Organism. Das Ziel ist ganz klar: Wir wollen begeisterte
Kunden. Das ist unser Antrieb jeden Tag. Es geht primär natürlich um den externen Kunden,
aber es geht genauso auch um den internen Kunden. Und es geht schon lange nicht mehr
um den sogenannten “zufriedenen Kunden”. Was wir wirklich erzeugen wollen – und wir wissen,
dass das nicht jeden Tag geht – sind begeisterte Kunden. Kunden, die erkennen, dass dieser
TIGER-Organismus sich jeden Tag darauf konzentriert, meine Kundenbedürfnisse zu verstehen und
für mich einen Wert zu erzeugen, der einzigartig ist am Markt. Und dieser Wert ist nicht nur
repräsentiert durch die Qualität des Produktes. Die ist heute selbstverständlich. Aber auch
durch die Kompetenz der Menschen, durch die sozialen Fähigkeiten, die wir haben, wenn
es einmal darum geht auch einen Claim zu lösen. Einen Claim in eine Chance zu drehen, den
Kunden noch enger an sich zu binden. Die Gesamtkompetenz des TIGERS zu zeigen, auch die Vernetzung
unserer Business Units Pulver mit TIGITAL zu zeigen. Die Wetlac kommt mit ihren waterborne
coatings ins Spiel dazu. Was TIGER unter dem Gesamtkontext Chematronics heute am Markt anbieten
kann, ist einzigartig. Und das ist unser Ziel, dass was der begeisterte Kunde durch den Mehrwert,
den er sieht, den dieser Organismus jeden Tag durch innovatives Verhalten, durch “Operational
Excellence” erzeugt. Nein, die habe ich überhaupt nicht. Unser
Prinzip ist ja ganz entscheidend darauf aufgebaut, dass wir unsere TIGER Kollegen und Kolleginnen
zuerst qualifizieren und sie dann entscheiden lassen, ob sie bereit sind, den schwereren
Rucksack mit mehr Verantwortung zu schultern oder nicht zu schultern. Das ist dieses Prinzip
der Freiwilligkeit, das ich eingangs erwähnt habe. Insofern sehe ich das als ein ganz natürliches
Prinzip hier. Wenn wir uns in der Natur ansehen, wenn ein Organismus wächst, wenn eine Zelle
wächst, ab einem gewissen Größenstadium teilt sich diese Zelle. Weil alles was noch
größer wird ist krebsartig und damit krank. Die Firma “Gore” – alle kennen das Produkt
“Goretex” – hat zum Beispiel eine Grundregel, dass wenn eine Organisationseinheit eine Größenordnung
von 250 – 300 Mitarbeitern erreicht, dann steht wieder ein “organisational split” an.
Insofern ist das, was wir hier machen, ein ganz natürlicher Prozess von Empowerment.
Wir schauen, dass unsere TIGER befähigt werden – im Methodenwissen, im sozialen Umgang miteinander
– und wenn sie bereit sind ihre Flügel wieder einen halben Meter weiter auszustrecken, dann
entscheiden sie selber, zusammen mit ihren Coach und Teamleader, ob sie das machen.

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